Katastrophenschutzübung im Barnim

THW-Helfer spielen Opfer und erfahren viel über den Umgang mit Verletzten

23. April 2004 -

Es ist Freitag kurz vor 20:30 Uhr, als die Pieper der Einsatzkräfte der freiwilligen Feuerwehren, Johanniter Unfallhilfe, DRK, Rettungsdienst und anderen Organisationen Alarm schlagen. Auf dem Gelände des Regionalflughafens im Eberswalder Stadteil Finow hat sich ein Flugzeugunglück ereignet.


Ein polnisches Flugzeug ist notgelandet und brennt. Die darin sich befindlichen Passagiere habe keine Möglichkeit, die Maschine zu verlassen. Das Schreien der Opfer ist von Weitem zu hören.

Zum Glück ist das bloß eine Übung, doch Rauch, Pyroeffekte und viel Schauspielblut lassen jede Einsatzkraft etwas anderes denken. Erschwerend kommt hinzu, dass einige Verletzte nur polnisch sprechen, was aufgrund der Nähe des Landkreises Barnim zur Republik Polen sehr realistisch ist.

Für die Helfer des Eberswalder Ortsverbandes gestaltet sich die Übung einmal anders, denn diesmal sind sie die Opfer. Eingewiesen und geschminkt durch ein ausgebildetes Team des DRK hat jeder eine Rolle zugewiesen bekommen - vom Passagier über den Co-Piloten bis hin zum Flughafenmitarbeiter. Einige Verletzte hatten die Aufgabe, in ein nahegelegenes Waldgebiet zu flüchten, wo sie durch die übenden Einsatzkräfte gesucht werden mussten. Diese Erfahrungen sollen den THW-Kräften helfen, sich in realen Einsätzen besser in die Situation der Opfer hineinversetzen zu können, um so besser und effektiver handeln zu können.


Text: Mirko Wolter


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Artikel der Märkischen Oderzeitung (MOZ) vom 26. April 2004:

 

Notlandung mit schlimmen Folgen
Eberswalde (MOZ) Freitagabend kurz vor 20.30 Uhr. In der Leitstelle Feuerwehr-Rettungsdienst Barnim ist gerade die Meldung eingetroffen, dass eine polnische Passagiermaschine auf dem Flugplatz in Finow notlanden muss. Was die Feuerwehrleute, die kurze Zeit später am Tower stehen, bis dahin nicht wissen, das Ganze ist zum Glück nur eine Übung.

Das kleine Transportflugzeug HFW 320 ist bestens präpariert. Einen ganzen Tag haben die Mitarbeiter des Luftfahrtmuseums gebraucht, um den 12 Tonner auf die Rollbahn zu ziehen. "Bei der Luftwaffe war der Oldtimer für etwa 10 Personen zugelassen", erklärt Museumschef Peter Kobbe, der sich am Rollfeld eingefunden hat. Dort haben auch Landrat Bodo Ihrke, sein Dezernent Jörg Mocek und Barnims Polizeichef Bernd Halle Position bezogen.

"Die Übung ist eine ganz wichtige Sache. Vor nicht allzulanger Zeit gab es ja tatsächlich eine Notlandung in Werneuchen, bei der glücklicherweise niemand verletzt wurde. Es hätte aber auch anders ausgehen können. Es ist wichtig, dass die Koordinierung von Feuerwehr, Landkreis, Polizei und Rettungskräften klappt", sagt Ihrke.
Martina Schaub, Pressesprecherin, Schutzbereich Barnim: "Für die Polizei war die Übung sehr wichtig. Vieles hat sehr gut geklappt. Manches aber muss bei der nächsten Übung besser berücksichtigt werden. So hatte der Polizeihubschrauber Schwierigkeiten, die vermissten Passagiere im Wald ausfindig zu machen, weil auch schon die Rettungskräfte auf Achse waren. Die Wärmebildkamera kann aber nicht unterscheiden, wer Helfer ist und wer Hilfe braucht. Erst als alle Polizeikräfte aus dem Wald abgezogen worden waren, konnte die Hubschrauberbesatzung ihre Aufgaben erfüllen. Auf solche Details muss man sich im Ernstfall einstellen, um kostbare Zeit zu sparen. In manchen Fällen haben unsere Polizisten ihre Aufgaben zu ernst genommen.
Dietmar Schmidt, Kreisbrandmeister des Landkreises Barnim: Die Arbeit der Feuerwehrleute war grundsätzlich in Ordnung. Der Einsatzablauf hat reibungslos funktioniert. Die Zusammenarbeit mit den Rettungskräften allerdings muss bei der nächsten Übung wesentlich besser laufen. Die Feuerwehrleute waren zu lange mit den Verletzten allein gelassen und haben zu lange auf professionelle Hilfe warten müssen. Die Koordinierung der einzelnen Aufgaben muss beim nächsten Mal einfach besser klappen. Alle an der Übung beteiligten Stellen sind daher übereingekommen, mindestens einmal im halben Jahr zum Erfahrungsaustausch zusammenzukommen. Eine Katastrophenübung für den gesamten Landkreis soll es einmal jährlich geben.

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Fotos: Marcus Rohde


Bericht von Mirko Wolter





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